Im Bilanzierungsgebiet der Stadtwerke Hettstedt GmbH kommt das synthetische Standardlastprofilverfahren zur Anwendung.

Die Stadtwerke Hettstedt GmbH verwendet für die Abwicklung der Stromlieferung an Letztverbraucher mit einer jährlichen Entnahme von bis zu 100.000 Kilowattstunden standardisierte Lastprofile.

Es kommen die VDEW-/BDEW-Lastprofile sowie weitere zur Anwendung:

VDEW-/BDEW-Lastprofile:

Profilbezeichnung Bedarfsart
H0 Haushalt
G0 Gewerbe allgemein
G1 Gewerbe werktags 8-18 Uhr
G2 Gewerbe mit starken bis überwiegenden Verbrauch in den Abendstunden
G3 Gewerbe durchlaufend
G4 Einzelhandel / Friseur
G5 Bäckerei mit Backstube
G6 Wochenendbetrieb (Gewerbe)
L0 Landwirtschaftsbetrieb allgemein
L1 Landwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft / Tierzucht
L2 Übrige Landwirtschaft

Das Lastprofil Haushalt H0 wird dynamisiert. Die Dynamisierungsfunktion (Polynom 4. Grades)
lautet: y = a4 * x4 + a3 * x3 + a2 * x2 + a1 * x + a0 mit
a4 = -0,000000000392
a3 = 0,00000032
a2 = -0,0000702
a1 = 0,0021
a0 = 1,24

Sonderanwendungen:

Profilbezeichnung Bedarfsart Download
WN Wärmespeicheranlagen XLSX Datei
WP Wärmepumpenanlagen XLSX Datei
SB Straßenbeleuchtung
BD Entnahmestellen mit konstantem Leistungsbedarf

Zeiten der Anwendung:

Jahreszeitprofil Zeitraum
Winter 01.11 bis 20.03
Übergangszeit 21.03 bis 14.05
Sommer 15.05 bis 14.09
Übergangszeit 15.09 bis 31.10

Im Netzgebiet der Stadtwerke Hettstedt GmbH wird der Feiertagskalender von Sachsen Anhalt angewendet.

 

Lastprofilverfahren für unterbrechbare, temperaturabhängige Verbrauchseinrichtungen:

Unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen im Sinne dieser Regelung sind Wärmespeicheranlagen und Wärmepumpenanlagen. Die Unterbrechbarkeit der Kundenanlage wird durch ein(e) geeignete(s) Schalt-uhr/Schaltgerät gewährleistet. Der Netzbetreiber gibt die Schaltzeiten für die jeweilige Anwendung vor und ist berechtigt bei Bedarf die Schaltzeiten zu verändern.

Der Stromlieferant kann an Stelle des prognostizierten Jahresverbrauches die spezifische elektrische Arbeit des Kunden als Prognosewert melden. Dieser Prognosewert ermittelt sich als Quotient der entnommenen elektrischen Arbeit und der Summe der zur Abnahmestelle des Kunden zugehörigen Temperaturmaßzahlen (s. a. VDN-Praxisleitfaden „Lastprofile für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen“ vom 19.11.2002) für einen in der Vergangenheit liegenden Abrechnungszeitraum.

Die gemeldete spezifische elektrische Arbeit kann durch den Netzbetreiber geprüft und nach Rücksprache mit dem Stromlieferanten ggf. korrigiert werden.

Lastprofile für Wärmespeicheranlagen und die normierten Lastprofile für Wärmepumpenanlagen in K/h je Temperatur in °C als 96-¼-h-Zeitreihen werden vom Netzbetreiber zur Verfügung gestellt. Die Lastprofile gelten für alle Tage im Jahr.

Die tatsächlichen Lastprofile der einzelnen Abnahmestellen werden anhand der gemessenen Temperaturmaßzahl und dem prognostiziertem spezifischen Verbrauch der Abnahmestelle für jeden Tag erstellt. Die erstellten Lastprofile der Abnahmestellen für unterbrechbare Verbrauchsabrechnungen werden bei der Ermittlung der Bilanzsummen zu den übrigen Lastprofilen der SLP-Kunden des Lieferanten addiert.

Die maßgebliche Temperaturmessstelle für das Netzgebiet des Netzbetreibers zur Ermittlung der Tagesmitteltemperatur ist die Messstelle: Wetterstation Hettstedt – Kolping – Berufsbildungswerk (Stations-kennziffer 104611) der Meteomedia GmbH.

Äquivalente Tagesmitteltemperatur
Die äquivalente Tagesmitteltemperatur Tä ist eine Mehrtagesmitteltemperatur für den Liefertag d. Sie berücksichtigt den Einfluss der Temperaturen vergangener Tage auf den Liefertag durch exponentielle Mittelung über die Tagesmitteltemperaturen Tm des Liefertages und der 3 Vortage:

Tä(d) = 0,5*Tm(d) + 0,3*Tm(d-1) + 0,15*Tm(d-2) + 0,05*Tm(d-3).

Bezugstemperatur
Die Bezugstemperatur TBEZUG stellt den Temperaturwert dar, ab dem keine Heizenergie mehr benötigt wird. Für die Bezugstemperatur TBEZUG im Netzgebiet gilt einheitlich:

TBEZUG = +17°C.

Begrenzungskonstante
Die Begrenzungskonstante K kann den Wert 0 oder 1 annehmen. Wird die Begrenzungskonstante zu K = 0 gesetzt, so ist oberhalb der Bezugstemperatur TBEZUG keine elektrische Energie einzuspeisen. Erhält die Begrenzungskonstante hingegen den Wert K = 1, so wird auch oberhalb der Bezugstemperatur ein Grund-Energiebedarf für die temperaturabhängigen Verbrauchseinrichtungen unterstellt. Für die Begrenzungskonstante K im Netzgebiet gilt einheitlich:

K = 0.

Temperaturmaßzahl
Die Temperaturmaßzahl TMZ [K] für einen Tag ergibt sich als Maximum der Begrenzungskonstante K und der Differenz zwischen der Bezugstemperatur TBEZUG und der äquivalenten Tagesmitteltemperatur Tä der maßgeblichen Temperaturmessstelle:

TMZ = Max (TBEZUG – Tä, K).

Die für Anlagen mit temperaturabhängigem Verbrauchsverhalten aufgewendete Energie nimmt mit wachsender TMZ zu. Der Netzbetreiber ist berechtigt, die maßgebliche Temperaturmessstelle bei Bedarf zu ändern oder weitere Temperaturmessstellen im Netzgebiet festzulegen. Dies wird dem Stromlieferanten rechtzeitig mitgeteilt.

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